Überall ist die Rede von Insektensterben, von Bienen, von Blühflächen. Die Initiative „Aschaffenburg summt“ wurde eigens dazu ins Leben gerufen. Doch welche Insekten kommen hier bei uns überhaupt vor? Wie leben sie und wie sehen sie aus?
Nur wenige kennen sich mit dieser sechsbeinigen Tiergruppe wirklich aus. Einer von ihnen ist Steffen Scharrer, der sich schon im Studium mit Wildbienen beschäftigte. Und er gibt sein Wissen weiter - so wie am Samstag, den 11. August, als er rund 30 Interessierten bei einer Führung des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ in Aschaffenburg zeigt, was im Magerrasen, an Steilwänden, im Wald oder am Teich so kreucht und fleucht.
Eine neue Erkenntnis für die Teilnehmer ist beispielsweise der Unterschied zwischen Bienen und Wespen, die beide zu den Hautflüglern zählen: „Sie haben eine unterschiedliche Ernährungsweise“, erklärt Steffen Scharrer. „Während die Bienen als Vegetarier auf den Blütennektar angewiesen sind, versorgen die Wespen ihre Larven mit Fleisch von toten oder gefangenen Tieren“.
Außerdem sehen die wenigsten Bienen und Wespen wirklich so aus, wie die meisten sich Bienen oder Wespen vorstellen: gelb-schwarz, vergleichsweise groß…denn es gibt sehr viele Arten mit unterschiedlichem Erscheinungsbild und Verhalten. Viele von ihnen sind hochspezialisiert und sehr selten. Einige Wespen, wie die Schlupfwespen, haben keinen Wehrstachel, können also auch nicht stechen. Stattdessen haben sie einen Legestachel, mit dem sie ihre Eier in andere Wirtsorganismen legen, aus denen die Larven dann schlüpfen. Dies ist nicht unbedingt sympathischer, aber doch faszinierend. „Ganz allgemein haben nur die Weibchen einen Stachel, ob nun bei den Hummeln, bei den Bienen oder einigen Wespen“, weiß der Experte. Bei den Bienen, von denen es über 500 Arten gibt, unterscheidet man u.a. nach Mund-, Bein- und Bauchsammlern. An diesen Stellen nehmen die Bienen den Pollen auf und transportieren ihn zur nächsten Pflanze - so findet die Bestäubung statt.
Ob Blutbiene, Blauflügelige Ödlandschrecke oder Russischer Bär - die Exkursion hat allen Insektenfreunden sehr gefallen. Mit einem veränderten Blick betrachten die Teilnehmer nun angestochene Blätter, die auf Gallwespen oder Gallfliegen hinweisen, oder kleine Löcher im Sand, wo Laufkäfer und Sandbienen wohnen. Eine Teilnehmerin sagt: „Man kann jahrelang von der Natur lernen, auch wenn man sich dabei nur 2-3 m bewegt“.
Text: Judith Henkel
Weiterlesen … Insektenführung in Schweinheim